Reise-Blues: Wenn die Euphorie weicht und das Reisen seine echte Tiefe zeigt

Jetzt sind wir schon fast zwei Monate auf Weltreise – eine Zeit voller unglaublicher Momente, Abenteuer und Eindrücke. Doch nun ist ein Punkt erreicht, an dem die anfängliche Reise-Euphorie langsam nachlässt, und wir beginnen, das Reisen in all seinen Farben wirklich zu spüren. Aktuell fühlen wir uns „blue“ – ein bisschen verloren, erschöpft, irgendwie überreizt und unsicher. 

Ankommen im „Blues“

Als wir in die Türkei kamen, wurde dieses Gefühl verstärkt. Ein kleiner Kulturschock traf uns, als wir plötzlich durch ein Slum in eine Kleinstadt gefahren sind. Lärm, viel Müll, Chaos und Armut trafen uns hart. Zum ersten Mal auf unserer Reise haben wir uns unsicher und unwohl gefühlt. Doch wir waren müde und mussten dringend schlafen. Danach sind wir in Istanbul, einer riesigen, vibrierenden Metropole, gelandet. Die Stadt lebt und atmet auf eine Weise, die beeindruckend ist, und wir hatten geplant, den Nationalfeiertag hier mitzuerleben und tief in die Kultur einzutauchen. Doch es half alles nichts, das Gefühl von „zu viel“ blieb – die Menschenmengen, das ständige Rauschen der Stadt, die vielen Eindrücke, die kaum noch sortiert werden konnten. Wir merkten, dass wir an unsere Grenzen kamen und uns dringend nach Ruhe sehnten – nach einem kleinen Rückzug, um Luft zu holen und zu reflektieren. 

Also war der Plan auf dem Weg aus der Stadt noch schnell in die Werkstatt zu gehen um das quietschen unseres Fahrzeugs checken zu lassen und dann in die Berge zu fahren. Der Besuch in die Werkstatt entpuppte sich als 5 stündiges Erlebnis. Nicht weil unser Auto so viel Aufmerksamkeit brauchte, sondern weil wir die türkische Gastfreundschaft kennenlernen durften – wir wurden zum Essen eingeladen und haben unzählig viel Kaffee und Tee getrunken während wir uns unterhielten. Ein schönes Erlebnis, welches richtig gut tat nach dem schwierigen Start in diesem Land. 

Endlich Raum für echte Gefühle

Wir wussten, dass dieser Punkt kommen würde – dass wir irgendwann innehalten müssen und das Reisen nicht immer nur aufregend und leicht ist. Was wir nicht erwartet hatten, war, dass dieser Moment so früh eintreten würde. Wir verspürten kurz eine Art Heimweh, mit dem unterschied, dass wir kein zu Hause mehr in dem Sinne haben, sondern damit jetzt durch die Gegend fahren.

Aber nun sind wir hier und spüren Dankbarkeit für all diese Gefühle. Auf Reisen haben wir den „Luxus“, all das zuzulassen, was im Alltag oft untergeht. Zuhause bleibt oft wenig Raum, um Gefühle ungefiltert loszulassen; wer kann schon im Büro sitzen und plötzlich losheulen, weil einem danach ist? – hier jedoch fließt alles – es gibt kein Verdrängen, kein Aufschieben. Auf einmal gibt es Raum für Tränen, vergangene verdrängte Gefühle, für lange Gespräche über Ängste und Unsicherheiten. Und dieser Austausch ist befreiend.

Aber das bedeutet nicht nur Raum für „unschöne“ Gefühle. Die intensiveren, zweisamen Momente fühlen sich genauso bedeutungsvoll an – ein Sonnenuntergang wird nicht nur für die Kamera festgehalten, sondern ist ein Erlebnis, das die Seele berührt.

Diese Reise holt alle Gefühle an die Oberfläche und lässt uns das Leben so intensiv und roh fühlen, wie es im Alltag oft nicht möglich ist.

Wann sind wir endlich „da“?

Die letzten Tage waren für uns anstrengend, weil sich der Road Trip eher wie eine lange Autofahrt ohne Ziel angefühlt hat. Doch diese Reise ist ein Lernprozess. Wir lernen, unsere Gefühle zu deuten, unsere Bedürfnisse zu verstehen und besser danach zu handeln. Gerade jetzt, wo uns der „Reise-Blues“ fest im Griff hat, merken wir, dass ein paar Gänge runterschalten genau das ist, was wir brauchen. Also nehmen wir den Fuß vom Gas, reisen langsamer und suchen die Natur auf. Der Plan ist, tief durchzuatmen und diesen überwältigenden Reise-Wirbel etwas abzumildern.

Ob das funktioniert?

Ob das wirklich hilft? Das bleibt abzuwarten. Aber ausprobieren ist der erste Schritt. Wir lassen euch wissen, wie es weitergeht – ob die Natur uns die Ruhe bringt, die wir gerade so sehr brauchen.